Wege und Abwege digitaler Kundenanalyse

Felix Meyner und Alexander Stojic von I-C-Analytics über Kundendatenerfassung, Privatsphäre und den unschätzbaren Wert von Rauchpausen
 

I-C-Analytics ist ein Münchner Start-up, das mit den IT:Agenten Schreibtisch an Schreibtisch arbeitet – was macht ihr genau?

Wir erstellen digitale Kundenanalysen für den stationären Handel und für Marktforschungsinstitute. Es geht also darum, dass zum Beispiel Retail-Ketten ein besseres Verständnis für Kunden bekommen, die ihre Läden besuchen und dort einkaufen. Dafür nutzen wir die Analyse WLAN-aktiver Smartphones in Kombination mit modernster Kameratechnologie.

Was lässt sich so über Kunden herausfinden?

Wie lange ein Kunde im Laden bleibt, wie oft er wieder kommt, die einzelnen Wegverläufe – das alles kann zudem nach Alter und Geschlecht aufgeschlüsselt werden. Man kann sich das ungefähr vorstellen wie „Google Analytics“ für den stationären Handeln, eine Kundenpotenzialanalyse.

Wie funktioniert das, wenn ich mit meinem Smartphone einen Laden betrete?

Jedes WLAN-aktive Smartphone sucht regelmäßig nach WLAN-Netzen, versendet also Anfragen unter seiner sogenannten MAC-ID – das hat nichts mit Apple zu tun sondern steht für „Media Acess Control“. Aus den beiden Parametern Zeit und Entfernung zum WLAN Access Point können dann die Aufenthaltsdauer und die Bewegung im Raum berechnet und visualisiert werden.

Wenn ich das höre, schrillen erst mal sämtliche Alarmglocken in Sachen Privatsphäre. Wie wichtig ist euch Datenschutz?

Das ist genau der Kern unseres Projektes: Wir haben uns selbst hohe ethische Standards gesetzt. Wir machen also bewusst nicht alles, was technisch möglich wäre. Datenmissbrauch wird bei I-C-Analytics von vornherein technisch unterbunden, dieser Ansatz nennt sich „Privacy by Design“. Wir machen das, indem wir die Daten hashen, also anonymisieren, sobald diese erfasst werden. Anschließend wird der Hashwert um 10 Stellen gekürzt. Gearbeitet wird dann ausschließlich mit diesen anonymisierten Daten. Es geht uns also nicht darum, daraus beispielsweise personalisierte Werbung generieren zu können. Um auch ganz offiziell zu bestätigen, dass wir sowohl juristisch als auch technisch konform mit den geltenden Datenschutzrichtlinien arbeiten, lassen wir uns derzeit von „ePrivacy“ zertifizieren.

Was genau bietet ihr an?

Die Hard- und Software und je nach Bedarf natürlich auch Unterstützung bei der Verarbeitung. Als Basis nutzt I-C-Analytics modifizierte WLAN-Router, die alle Suchanfragen erfassen und daraus Daten darüber generieren, wie oft ein Kunde den Laden besucht und wie er sich dort bewegt. Diese Informationen können Retail-Ketten dann in Form von Reportings, von Excel-Tabellen erhalten, oder aber über unser eigenes Dashboard. Außerdem gibt es die Möglichkeit, die Kundendaten in bestehende BI-Systeme einzuspeisen.

Was bringen solche anonymisierte Daten den Unternehmen, der Bekleidungs-Kette zum Beispiel?

Sie erhalten einen Überblick darüber, wie sich ihr Kundenstamm zusammensetzt, wie viele Stammkunden in den Store kommen, wie viele Neukunden. Und sie können zum Beispiel die Wirksamkeit ihrer Marketingkampagnen überprüfen und herausfinden, welche Werbekanäle die meisten Neukunden generieren.

Und warum sind Bewegungsprofile im Laden so wichtig?

Das wird zum Beispiel für die Personalplanung im Laden genutzt werden: Wo halten sich viel Kunden auf, wie lange bleiben sie, wo sollte vielleicht gezielt beraten werden? Außerdem kann der Laden entsprechen umgestaltet werden, wenn ich weiß wo die so genannten „dead zones“ liegen, der Wegverlauf kann geändert werden oder Waren strategisch besser platziert. Außerdem gibt es die Möglichkeit, die eigene Außenwirkung zu überprüfen: Diese so genannte Abschöpfungsquote liefert Erkenntnisse darüber, ob Passanten in den Laden kommen, vorm Schaufenster stehen bleiben oder einfach vorbeigehen – und darauf können die Betreiber entsprechend reagieren.

Welchen Mehrwert bringt das, im Vergleich zu klassischer Marktforschung?

Kundenbefragungen bilden immer nur einen bestimmten Zeitpunkt ab. Mit unserer Methode könne diese Daten kontinuierlich erhoben und ausgewertet werden.

Wie arbeiten I-C-Analytics und die IT:Agenten zusammen?

Wir arbeiten in einem gemeinsamen Co-Working-Space der IT:Agenten in München und I-C-Analytics kann hier als Start-up ziemlich direkt vom gesammelten, langjährige IT-Fachwissen profitieren. Da werden zum Beispiel in der Raucherpause mal eben technische Fragen besprochen oder es fließen Tipps von den Geschäftsführern Marco Engelhard und Marco Stipek, das hat uns bisher schon sehr geholfen. Oder, konkret, wenn Kunden zum Beispiel die von uns erhobenen Daten in ihr System einspeisen wollen, dann haben wir hier gleich die Experten sitzen, die die Schnittstellen entsprechend anpassen.

[fblike style=“button_count“ showfaces=“false“ width=“90″ verb=“like“ font=“arial“ float=“left“] [fbshare type=“button“ float=“left“] [google_plusone size=“medium“ float=“left“] [twitter style=“horizontal“ float=“left“ lang=“de“] [linkedin_share style=“right“ float=“left“]

Verwandte Beiträge

Leave a comment

r4PoCY

Bitte geben Sie den Text vor: