So sieht die Zukunft des Internet aus ­­­– Bericht von der decoded@mcbw­­ Teil 1

Im Rahmen der mcbw, der Munich Creative Business Week, fand vom 08.-10.02.2012 die decoded@mcbw conference in der BMW Welt statt. In 18 unterschiedlichen Vorträgen und Podiumsdiskussionen tauschte sich die kreative Internetwirtschaft über Themen wie Userexperience, Case Studies und Digital Trends aus.

Was kommt, was bleibt?

Nach Design, Usability und User Experience ging es am letzten Tag der Konferenz um die generelle Entwicklung und Zukunft des digitalen Lebens. Ein Thema, das mich als Marketingmann besonders interessierte. Boris Lakowski von Sternsdorf Lakowski & Partner stellte 12 spannende Thesen zur Zukunft des Internet auf:

#1 Fokussierung auf Aufmerksamkeit – etwa alle 18 Monate verdoppeln sich die Leistung von Geräten und die Inhalte des Internet. Hätten wir heute ein Tablet PC von in 1,5 Jahren in der Hand und würden es mit der Leistung von heute vergleichen, käme uns das vermutlich wie ein iPad auf Koks vor. Die Informationen, die die Technik von morgen bereithalten muss, wird entsprechend der Leistung ebenfalls steigen. User werden bei der Informationsaufnahme noch selektiver vorgehen als heute schon. Es wird also immer mehr darum gehen, sich vom Informationsschrott abzuheben und userrelevante Inhalte zu liefern, will man den Informationsspamfilter der Kunden durchdringen. Innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde entscheidet der User über den Nutzwert der Information und wird Schrott als solchen postwendend aussortieren. Es geht also um mehr Relevanz, mehr Qualität und besseres Design (UI und UX).

#2 Das digitale Wohnzimmer – Internet und Entertainment wird selbstverständlich näher zusammen rücken. TV wird interaktiver und kommunikativer. Realtimeinteraktion mit TV-Sendungen werden zum Standard und die Möglichkeit gleichzeitig mit Freunden zu kommunizieren wird integriert. Ich sehe was meine Freunde schauen und kann meine Kommentare dazu posten. Wer The Voice of Germany gesehen hat, hat vielleicht schon die zur Sendung freigeschalteten Möglichkeiten zur Interaktion entdeckt.

#3 Mobiles Internet und Cloud Services – in vielen Ländern überspringen die Gesellschaften Festnetz+DSL und beginnen direkt mit der mobilen Welt. Die Infrastruktur ist leichter aufgebaut und unabhängig von Leitungen und geografischen Gegebenheiten. Das ermöglicht bestimmten Bevölkerungsgruppen weltweit plötzlich am Wirtschaftsleben teilzuhaben. Crowdsourcing wird immer interessanter und die Welt rückt weiter zusammen – gebündelt auf dem personalisiertesten Gerät, das wir haben: dem Mobile- bzw. Smartphone.

#4 Pad + Phone – die Entwicklung der verschiedenen Handheld-Systeme schreitet weiter voran und wird die Nutzung digitaler Inhalte bestimmen. Auflösungen werden immer besser und die Geräte immer spezieller auf die Bedürfnisse der Nutzer zugeschnitten. Das bedingt die Entwicklung von Anwendungen für verschiedenste Geräte und Größen. Internet wird also adaptiver, atomarer und damit flexibler. Ist das Internet auch heute noch eher an die Umsetzung interaktiver Printlayouts angepasst, wird die Zuknuft personalisierter, individueller und variabler werden.

#5 Service und Verhalten – als Folge des Informationsfokus von Verbrauchern wird es für Unternehmen immer wichtiger auf ihr Verhalten im Web zu achten. Der Abgrenzungsfaktor Corporate Design wird sich zu Corporate Behavior verschieben. Service, Leistung und Kommunikationsfokus auf die Zielgruppe wird in der wachsenden Informationsflut für die Abgrenzung immer wichtiger.

#6 Geld und Banking 2.0 – Bezahlfunktionen und innovative Bankkonzepte werden in der digitaler werdenden Welt mehr und mehr an Relevanz gewinnen. Speziell die Finanz- und Bankkrisen der letzten Jahre zeigen, dass Bankgeschäfte sozialer und einfacher werden müssen. Ein schönes Beispiel hierfür ist die Fidor Bank. Mehr Transparenz, mehr Miteinander, mehr Mitbestimmung wird im Zusammenleben weltweit immer wichtiger. Crowdfunding und Peer-to-Peer Kredite werden Social Business und Finanzwirtschaft vermutlich nachhaltig verändern.

#7 Privatsphäre und Sicherheit – Cloudservices erleichtern bereits heute die Datenhaltung für die Nutzung auf verschiedenen Geräten. Zum einen wird die Datensicherheit durch professionelles Hosting erhöht und zum anderen bieten diese Knotenpunkte interessante potentielle Ziele für Angreifer. Sicherheitskonzepte werden immer wichtiger, die Entscheidung wem ich meine Daten anvertraue wird ein Thema mit dem sich User auseinandersetzen müssen. Schönes Beispiel ist die Diskussion um Datenhoheit und Datensicherheit bei Facebook. Antworten und mögliche Lösungen bietet Diaspora.

#8 Freiheit der Netze – Regulierung und Alternativen der Netze werden das politische Thema der Zukunft sein. ACTA ist ein erster kläglicher Versuch die digitale Erosion alter Businessmodelle aufzuhalten. Statt Regulierung macht es vermutlich Sinn, Alternativen zu finden, die beispielsweise das angestaubte Urheberrecht neu auszurichten. Ein Beispiel ist die Entstehung eigener userbezogener Netze, die zwar Teil des Internet sind, jedoch nur bestimmten Mitgliedern zur Verfügung stehen. Der Begriff „Netze“ ist also mit Absicht im Plural gewählt worden. Bewegungen wie Anonymus und Occupy sind als Gegengewicht zur Regulierungswut realitätsferner Lobbyisten und Politiker geworden. „Normale“ Menschen können plötzlich ihren Protest gegen Entscheidungen und Entwicklungen ausdrücken, in dem sie den virtuellen Dislike Button drücken. Dieser Trend wird sich fortsetzen.

#9 Natürliche Interfaces – nicht zuletzt versuch Apple mit seinem Siri den Markt für Interfaces zu revolutionieren. Abgesehen davon, dass ich niemanden kenne, der sich in der Öffentlichkeit mit seinem Telefon unterhalten würde, ist es natürlich eine wahnsinnige Erleichterung wenn man nicht auf der kleinen virtuellen Tastatur herumdaddeln muss. Ob ich meinem digitalen Gerät stattdessen wild gestikulierend beibringe, was ich von ihm will… vermutlich brauche ich einen gewissen Alkoholpegel, um das als Steuerungsmöglichkeit zu akzeptieren. Stelle mir manchmal vor wie die Anzahl Unfälle sprunghaft ansteigt wenn die Gestensteuerung auf dem Mobiltelefon Einzug hält. Da finde ich 3D ohne Brille zu schauen schon deutlich spannender. Vermutlich wird aber die Touchscreentechnologie erweitert werden und auf ganz anderen Anwendungsgebieten auftauchen. Ich stelle mir eine digitale Tapete vor, die ich täglich wechseln kann und ein Tisch, der mir ermöglicht, Informationen und Anwendungen per Touch zu bedienen und zu bewegen. Diverse Science Fiction Filme geben eine Idee davon, wie es mal sein könnte.

#10 Hardware vs. Software – Apple hat es vor gemacht: Hard- und Software sind hervorragend zu verknüpfen. Würde sich das iPhone so gut verkaufen wenn es nicht zig tausende sinnvoller und sinnloser Apps gäbe? Das ganze zentral kontrolliert und qualitätsgesichert… super Idee. Ebenso der iTunes Store mit Millionen von Titeln und Filmen, die nur auf den i… Geräten von Apple abgespielt werden können. Ärgerlich aber aus Applesicht irgendwie auch genial – kostengünstige Software für überteuerte Geräte. Warum ist mir das nicht eingefallen? Aber letztendlich geht es um offene Systeme. Hier geht es jetzt um die Möglichkeit für Jedermann, Software für Appstores zu programmieren und um Hackable Products, die Zulieferern ermöglichen eigene Erweiterungen zu erfinden. Customizing und Zubehör wie es für Motorräder Gang und Gäbe ist, auf andere Produkte zu übertragen, ist ebenfalls ein spannender Trend, der sich in Zukunft nach den App-Konzept von Apple fortsetzen wird.

#11 Renaissance der Roboter – wird sicher auch ein interessanter Trend, der nicht zuletzt in selbstbestellenden Kühlschränken und automatischen Putzhilfen münden wird. Roboter als Haushaltshilfen, virtuelle Assistenten oder Homesecuritysysteme seien hier stellvertretend als Beispiele angeführt. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

# 12 Self-X Technologien – immer komplexer werdende Systeme werden bald kaum noch managebar sein. Umso wichtiger wird das Thema des Organic Computing. Selbstorganisierende Systeme und selbstheilende Materialien halten Einzug in unsere Welt. Verschiedene quasi schwarmintelligente Systeme finden wir bereits in automatisch abstandhaltenden Geschwindigkeitsregelanlagen von Autos  oder automatischen Einparksystemen. Wir werden auch hiervon demnächst sicher mehr sehen.

Alles in allem war es ein spannender Blick in eine mögliche Zukunft. Ich bin gespannt was als nächstes kommt.

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