Eisberge sind gefährlich — Sogar wenn man zu Fuß unterwegs ist!

Es ist gerade Eisbergzeit: Auf allen Fernsehkanälen wird dem monumentalen Technikdesaster des 20. Jahrhunderts gedacht, der Titanic. Ich könnte jetzt viel zur (vermeintlichen) Überheblichkeit der damaligen Ingenieure schreiben. Oder dazu, dass 85% des Ärgers eines IT-Projekts unter der Wasseroberfläche lauern. Tue ich aber nicht. Statt dessen möchte ich an ein anderes Eis-Und-Schnee-Ereignis aus dem Frühjahr 1912 erinnern: Den Untergang des Second-Movers Captain Robert F. Scott, der Ende März in der Antarktis erfror als er versuchte das Rennen zum Südpol zu gewinnen.

Das Rennen zum Südpol

Scott war ein Star im Marksegment der Antarktis-Entdecker, ein Marktsegment das er aufgrund des hohen zu erwartenden Return-On-Investment ausgesucht hatte. Ein potentieller Market-Outperformer. Als Spin-Off der Royal Navy hatte Scott auch das nötige Venture Capital für seine Expeditionen. Und Scott plante mit militärischer Präzision die Eroberung des neuen Kontinents.

Kein Plan überlebt die erste Feindberührung — Leitspruch der Start-Up-Berater

Im Herbst 1910, als er gerade seinen Plan für eine perfekte Logistik verfeinerte, erreichte ihn die Nachricht, dass Roald Amundsen ebenfalls das Ich-War-Am-Südpol-Gadget auf den Markt bringen wollte. Jetzt musste Scott schnell sein. Doch schon im antarktischen Sommer 1910/11 beim Anlegen der Versorgungsdepots wurden die Meilensteine verfehlt. Am Ende fehlten Scott fünf Wochen auf seinen Konkurrenten und elf Meilen zum rettenden Depot.

Und was hat das mit IT zu tun?

Na dann machen Sie doch mal den Scott-Test mit Ihrem Projekt:

  • Motivation? — Amundsen träumte vom Pol. Scott hatte eine lukrative Unternehmung identifiziert, die seine Karriere und somit sein Einkommen weiter voran treiben sollte.
  • Eindeutiges Ziel? — Scott wollte den Ruhm, die Royal Society Gesteinsproben, so dass Scott’s Team wissenschaftliche Ausrüstung und 14kg Gesteinsbalast schleppen musste.
  • Tooling? — Ponys fressen Gras, Motorschlitten Benzin, Schlittenhunde fressen Pinguine. Scott’s Ponys und Motorschlitten überlebten die Antarktis nicht lange. Amundsen’s Hunde fühlten sich pudelwohl.
  • Team? — Scott war Oberbefehlshaber seines Teams und gab (missverständliche) Anweisungen. Amundsen hatte ein (Scrum-) Team, in dem jeder wusste worauf es ankommt.
  • Planung? – Amundsen hatte einen realistischen Plan. Scott hatte einen ehrgeizigen Plan, von dem er immer wieder abweichen musste.
  • Meilensteine erreicht? — Hätte Scott die Depots wie geplant angelegt, hätte sein Team überlebt. Aber die Ponys hatten schon beim Depot-Anlegen schlapp gemacht.
  • Komplexität? — Scott’s über-komplizierte Logistik wird oft als der wesentliche Grund für sein Scheitern angesehen. Aber: Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht?

Geschwindigkeit ist alles — aber nur wenn Sie Ihr Ziel auch erreichen und die Reise überleben. Das haben IT-Projekte, Scott und die Titanic übrigens gemeinsam.

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